Am Wochende habe ich beim BarCamp in Graz unter anderem an einer Diskussion über “Was kommt nach dem Ende der Privatheit?” teilgenommen. Ich persönlich meine, dass es Privatheit immer geben wird, weil sie auch wichtig ist; daher wird sie nie zu Ende sein- ergo ist sie es auch jetzt nicht. Im Internet hat sich Privatheit teils zur Öffentlichkeit gewandelt, bzw. sind die Übergänge fliessender geworden. So meine ich, dass dieser Blog z.B. privat ist (ich schreibe über private Meinungen, bezahle ihn selbst, besitze ihn etc.) , aber dieser für Suchmaschinen von mir bewusst freigegeben ist, von mir öffentlich zugänglich gemacht wurde - und so von vielen gerne gelesen werden kann.
Im Internet ist es leicht zu kommunizieren, sich zu vernetzen und öffentlich zu sein- dieser Blog und meine Gedanken hier sind es wie erwähnt auch, sonst könnten Sie diese gerade nicht lesen.
Im Internet kann man Sachen anderen zugänglich machen, Inhalte in digitaler Form veröffentlichen. Dies sollte aber jedem/jeder der im Internet etwas macht, veröffentlicht, ohnehin immer bewusst sein. Dennoch ist das Schaffen von derartigen Informationen betreff des mitdenkenden Umganges mit Internet für Technik nicht affine Menschen, wie auch das Schaffen von vereinfachten Informationen betreff Daten und Datenschutz, mehr denn je wichtig.
Schon im Architekturstudium war Privatheit für mich ein spannendes Thema- gerade in Bezug auf Räume, ist der Beginn von Privatheit, diese selbst bzw. der Übergang zum öffentlichen Raum wichtig- im Gemeinschaftswohnbau als Beispiel. In gewissen Maßen ist das Internet auch ein Gemeinschaftswohnbau. Aber wie auch im Wohnbau gilt: Gemeinschaft ist oft wichtig, schafft Vorteile (ökonomischer, preiswerter, geselliger etc.), aber jede(r) will auch zumindest manchmal privat sein. Ebenso könnte man das Internet als Stadt sehen- das meiste ist eigentlich trotz Ballungsraum der Strukturen und Räume in einer Stadt privater Natur- auch wenn vieles verbunden ist und es viele öffentliche Plätze (im Internet Plattformen, Portale) gibt. In einer Stadt kann man auch vieles sehen- vieles ist öffentlich sichtbar (Balkone, Höfe, Gärten z.B.), aber dennoch privater Natur. Einiges bewusst ganz verborgen.
In Diskussionen vermisse ich oft Grundsatzfragen wie “Was ist Privatheit?” bzw. – “aus Sicht von wen ist was privat?” Privatheit ist ja ein komplexer Begriff, der sich schon in der Geschichte oft gewandelt hat, auch unterschiedliche ortsspezifische und auch damit verbunden unterschiedliche rechtliche Ausprägungen hat. Im “Offline”- im echten Leben wird es immer Privatheit geben- man nehme nur das Thema “Privatbesitz” und “Privatbesitz und Störungsklagen” als spontane Gedankenimpulse her. So meine ich Privatheit wird es immer geben und Privatheit ist immer wichtig und wird nie zu Ende sein. Privatheit und auch Rückzugsräume sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Im echten Leben, wie auch im Internet.
Googles Gedanke (als Idealutopie?) – “alle Informationen sammeln”- wird nie möglich sein. Nie war und nie wird alles zugänglich sein. Dies war nie in der Geschichte bisher möglich und ist mit Verstand auch nicht im Interesse aller zukünftig zu sehen.